Pharma-Talk zur Pharmalogistik mit Jürgen Oetzel von GDP Network Solutions

Vom Reagenzglas zum Patienten

Jürgen Oetzel, Geschäftsführer GDP Network Solutions

Pharmalogistik kommt nicht nur in Zeiten von Covid-19-Impfstoffen eine große Bedeutung für die Versorgung von Patienten mit benötigten Arzneimitteln zu. Jürgen Oetzel, Geschäftsführer bei GDP Network Solutions, hat 2020 ein Netzwerk von Unternehmen ins Leben gerufen, die sich auf die Logistik von Medikamenten spezialisiert haben. Im Pharma-Talk von pharmaindustrie-online.de sprach er über Herausforderungen der Gründung in diesen besonderen Zeiten, Erfolge, die sich mit KPIs belegen lassen sowie Plänen für die Zukunft des Netzwerks. 

Herr Oetzel, das Netzwerk von GDP Network Solutions feiert in diesen Tagen den ersten Geburtstag, zu dem wir gratulieren. Welchen Herausforderungen mussten Sie sich im Vorfeld der Gründung stellen?

Vielen Dank, nun wird es richtig interessant, unser “Baby“ beginnt zu laufen! Eine der größten Herausforderungen war die Flächendeckung. Nahezu anderthalb Jahre bin ich durch Deutschland gereist und habe geeignete Unternehmen ge- und besucht. Ich habe mit vielen Unternehmerpersönlichkeiten gesprochen, die auch Visionäre sind und die Idee eines Netzwerkes letztlich mitgetragen und zum Erfolg entwickelt haben.

Wir mussten ein GDP- konformes Qualitätsmanagement entwickeln, das auch den Partnern eigene Prozesse erlaubt und nicht mit deren vorhandenen Zertifizierungen kollidiert. Es gab unterschiedliche TMS und Telematiksysteme, diese galt es kompatibel zu verbinden, um die benötigten Daten in Echtzeit darstellen und abrufen zu können. Diese Hürde haben wir zusammen mit unserem IT-Partner CSD Transport Software in vielen Meetings, Projekt- und Programmierstunden gemeistert. Heute haben wir einen Control Tower, der alle relevanten Daten in Echtzeit liefert und die obligatorischen Reports und Alarme versendet.

Wenn Sie nach dem ersten Jahr auf Ihre Zahlen schauen: Welches Fazit der Geschäftsentwicklung können Sie ziehen?

Wir haben ein spannendes und zum Teil auch aufregendes Jahr hinter uns. Sie können sich sicher vorstellen, dass man im Projekt unzählige Tests durchführt und von vielen Eventualitäten ausgeht. Dennoch ist im Go-Live nicht alles abgedeckt. Wir haben das Netzwerk live, ohne sensible Pharmaware, zwei Monate auf Herz und Nieren getestet und aufgetretene Störungen behoben.

Unsere KPI‘s sind nach dieser zweimonatigen Testphase phänomenal: 99,3 Prozent in der termintreuen Zustellung und eine nahezu nicht messbare Schadenquote von nur 0,003 Prozent. Diese qualitativ außerordentlichen Werte sind nur zu erreichen, wenn alle am Netzwerk beteiligten Unternehmen mit ganzer Kraft hinter der Sache stehen, und auch das ist unsere Stärke, ein Alleinstellungsmerkmal des Mittelstandes.

Mit den Impfstoffen in Aussicht herrschte 2020 zweifellos Goldgräberstimmung in der Pharmalogistik-Branche. Welchen Einfluss hatte die Corona Pandemie auf die Geschäftsentwicklung?

Dies würde ich jetzt nicht unbedingt so uneingeschränkt unterschreiben. Die Goldgräberstimmung ist wohl begrenzt auf einige doch wenigere Unternehmen in der Pharmalogistik. Die anfänglichen “Hamsterkäufe“ sind verebbt. Einige Pharmasparten verzeichnen auch signifikante Einbrüche in verschiedenen Bereichen. Die Impfstofflogistik spielt sich meist in der Temperaturzone plus 2 bis plus 8 Grad Celsius oder auch im Ultratiefkühlbereich ab. Die Transportvolumen sind trotz der hohen Anzahl von Impfdosen überschaubar, weil es Kleinstdosen sind.

Was zugenommen hat, ist die benötigte Sicherheit und Transparenz der Lagerung und des Transports. Wir alle kennen die Meldungen, dass Impfdosen nicht mehr verkehrsfähig waren, da die Temperaturkette für kurze Zeit unterbrochen war. Es genügt hier schon ein Verdacht, sodass der dringend benötigte Impfstoff entsorgt werden muss. Ich gehe davon aus, dass die Behörden künftig einen noch stärkeren Fokus auf den qualitativen und sicheren Transport aller Arzneimittel legen.

Vertrieblich gesehen hat der Lockdown dazu geführt, dass Entscheider, wenn überhaupt, schwerer zu erreichen waren. Unternehmen haben zudem eine starke Fokussierung auf die interne Umsetzung von Corona-Regeln und die Anpassung von Prozessen an die aktuelle Situation vorgenommen. Offen gesagt hat dies den Vertrieb nicht einfacher gemacht. Dennoch können wir rückblickend auf die ersten 12 Monate zufrieden sein.

Welche Lehren ziehen Sie aus den Erfahrungen der letzten zwölf Monate?

Mit unserem Qualitätsversprechen stehen wir bei unseren Kunden im Wort. Neben der hohen Liefertreue und der äußerst geringen Schadenquote hat bei GDP Network Solutions die Transparenz und Sicherheit höchste Priorität. Die Digitalisierung mit Vernetzung der TMS Systeme und die Datenaufbereitung liefern uns die benötigte Transparenz unseren Kunden zu jeder Zeit die notwendigen Antworten und Auskünfte geben zu können. Eine valide Datenlage hat heute mindestens den gleichen Stellenwert, wie der sensible Umgang und die sichere Zustellung der Arzneimittel.

Sie haben sicherlich schon Pläne für zukünftige Projekte. Wie sehen Ihre nächsten Schritte aus?

Wir werden weiter an der Optimierung der digitalisierten Prozesse arbeiten. Daneben steht die GDP- konforme Netzwerkerweiterung im Ambient-Bereich von plus 15 bis plus 25 Grad Celsius für die D-A-CH Region an. Hier stehen wir bereits mit verschiedenen Partnern in Verhandlungen.

Zum Abschluss noch eine persönliche Frage. Ihr ganzer Arbeitstag dreht sich darum, Waren hin und her zu bewegen. Brauchen Sie nach Feierabend einen Ausgleich, um die Logistik im Lager lassen zu können?

Verständlicherweise nimmt man vieles mit nach Hause. Die Familie muss viel Verständnis zeigen und auch immer wieder Abstriche machen. Dafür muss ich mich bei meiner Frau und meiner Tochter sehr bedanken. Ich versuche zumindest an den Wochenenden für die Familie da zu sein und dann auch den Kopf frei zu haben und den Rechner wenig zu sehen. Wenn dann noch Zeit bleibt, reflektiere ich Themen und gewinne neue Inspirationen auf einer Motorradtour durch den Schwarzwald. Dies dann gerne für mich allein.

Herr Oetzel, wir bedanken uns für das interessante Gespräch!

Zur Person
Jürgen Oetzel ist Verkehrsfachwirt und als Sohn eines regionalen Speditionsunternehmers seit seiner Kindheit mit dem Transportwesen vertraut. Der Selbstständigkeit in der Auslieferung von Arzneimitteln folgten Führungspositionen in verschiedenen Unternehmen der Logistikbranche, zuletzt als Vertriebsleiter und Prokurist bei Transmed Transport, einer Tochter der Phoenix Group. Mit der Gründung von GDP Network Solutions realisierte Oetzel als Geschäftsführer gemeinsam mit den Gesellschaftern konsequent die Idee eines aktiv temperaturgeführten Transportnetzwerks für Arzneimittel und Medizinprodukte im Ambient-Bereich.
 

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