Pharma-Talk mit Christof Franzke von Copa-Data über MTP und Modularisierung für die Pharmaproduktion

Vom Reagenzglas zum Patienten

Christof Franzke, Copa-Data

Seit mehr als 30 Jahren setzt sich Copa-Data dafür ein, Prozesse in der Pharmaproduktion und anderen Prozessindustrien durch Digitalisierung und Automatisierung einfacher zu gestalten. Heute hat die neue Technik einen Namen: „MTP“. Dahinter verbirgt sich Module Type Package, ein Ansatz für die modulare Produktion. pharmaindustrie-online.de hat mit Christof Franzke, Senior Technical Consultant Key Accounts, über Kundenwünsche für die Pharmaproduktion und die Potentiale des neuen Standards gesprochen. Wir erfahren, wie Arzneimittelhersteller sowohl Produktionskosten als auch die Zeit bis zum Produktlaunch signifikant verringern können, werfen einen Blick in die Praxis und zudem einen Ausblick in die Zukunft.

Was bewegt Kunden aus der Pharmaindustrie, die mit Ihrem Unternehmen über Modularisierung sprechen?

Pharmaunternehmen haben eine hohe Innovationskraft. Gleichzeitig sind Forschung und Entwicklung von Wirkstoffen sehr kostenintensiv. Deshalb sind Arzneimittelhersteller bestrebt, trotz hoher regulatorischer Hürden ihre Medikamente möglichst schnell auf den Markt zu bekommen. Studien haben belegt, dass mittels Modularisierung die Time-to-Market um 50 Prozent verkürzt werden kann. Betriebskosten können um bis zu 40 Prozent gesenkt werden. Das sind schonmal beeindruckende Zahlen. Aber unsere Kunden aus der Pharmabranche haben nicht nur monetäre Ziele, auch ökologische Themen rücken zunehmend in den Fokus. Beispielsweise soll der Ressourcenverbrauch gesenkt oder der Ausstoß von CO2 reduziert werden. Auch diese Themen wollen wir mit Modularisierung angehen. Modularisierung ist für unsere Pharmakunden dabei nichts komplett Neues. Die Vorteile von modularen Anlagen sind bereits bekannt. Allerdings hat bisher ein übergreifender Standard gefehlt, was oftmals zu eigenen modularen Konzepten und Insellösungen geführt hat.

Genau hier kommt der Standard MTP ins Spiel. Dieser bietet endlich Modularisierung auf einem breiten, soliden und zukunftsfähigen Fundament. MTP öffnet unseren Kunden die Tür für standardisierte und herstellerübergreifende Modularisierung. MTP hilft Insellösungen aufzubrechen und ist die Antwort auf aktuelle Anforderungen wie schnellere Ramp-Ups, kürzere Time-to-Market, größtmögliche Flexibilität sowie Kostenreduktion.

Was ist das Neue daran und welche Vorteile bietet der neue Standard?

Modularisierung an sich ist nichts Neues. Wir denken bereits seit über 30 Jahren modular, unsere Kunden ebenfalls. Neu ist das Spektrum, in dem MTP sich bewegt. Modularität wird nun hersteller- und branchenübergreifend gedacht. Also einmal Modularisierung in der Pharmaindustrie, aber auch in der Prozessindustrie, im Foodbereich und selbst im Schiffbau wird bereits über MTP gesprochen.

MTP funktioniert bildlich gesprochen wie ein Druckertreiber. Man holt ein Modul, liest die Datei ein und kann sehr schnell loslegen. So einfach war es noch nie, Anlagen datentechnisch anzubinden. Wenn man früher aufwendige SPS-Programmierung benötigte, um Produktionssysteme zu erschließen, geht es mit MTP fast mit Plug & Play. Daten wie Steuerung, Netzwerkadresse, Funktion der Alarme etc. werden über MTP ausgeliefert. Das Prozessleitsystem wird automatisch erstellt, und man kann die Produktion starten. Lediglich Basisinfos wie z. B. Rohstoffe, eingesetzte Kühlwasser oder Luftzufuhr, Produktzufuhr und Produktausgabe müssen noch eingegeben werden. Das geht fast ohne Automatisierungswissen, denn das Prozessbild ist durch MTP komplett im Leitsystem beschrieben.